Kunstprofessor Udo Scheel über Duktus

Udo Scheel ist ein deutscher Künstler, Maler und Graphiker, geboren 1940 in Wismar. Er war Professor und Leiter der Kunstakademie Düsseldorf in Münster.

Udo Scheel ist ein deutscher Künstler, Maler und Graphiker, geboren 1940 in Wismar.

Er studierte von 1959 bis 1964 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Gert Weber und Otto Coester, an der Hochschule für bildende Künste Hamburg sowie an der Universität Hamburg in Fächern wie Germanistik, Englisch und Philosophie. Nach dem Staatsexamen als Kunsterzieher unterrichtete er von 1964 bis 1971 an Gymnasien, wurde 1971 Dozent für Malerei am Hochschulinstitut für Kunst- und Werkerziehung in Mainz und 1972 Professor an der Dependance der Kunstakademie Düsseldorf in Münster, die er bis 2005 leitete und zur selbstständigen Kunstakademie Münster ausbaute.

1976 war er Mitbegründer der Künstlergruppe Axiom, und von 1989 bis 1998 Vorsitzender des Kuratoriums der Stipendienstätte Künstlerdorf Schöppingen. Seine Werke kombinieren figurative Elemente mit abstrakt-gestischen Formen, oft mit ironischen, mondänen und erotischen Motiven, und wurden in über 100 Einzelausstellungen gezeigt, darunter in der Galerie Parnass Wuppertal, Kunsthalle Recklinghausen und international in Minsk oder China.

Scheel kehrte 2023 in seine Geburtsstadt Wismar zurück, wo er weiter als Künstler und Vorsitzender des Kunstbeirats der Hansestadt aktiv ist.

Christian Pursch

Melancholie, Zwiespalt, Wirrnis, Sünde, Seelenwandel – Begriffe, die Befindlichkeiten und Zustände umschreiben. Zum Beispiel Melancholie – Schwarzgalligkeit – Schwermut (siehe Robert Burton: Anatomie der Melancholie), ein verträumte, eine eher unbewegte schwer lastende Atmosphäre. Zwiespalt und Wirrnis erklären sich von selbst.

Führt der Faden (wie der Fabel der Ariadne) wirklich aus der Wirrnis heraus? Und wenn ja, wohin? Traktieren und quälen die geisterhaften Hände den offensichtlich somnambulen Protagonisten nicht so, dass ein Fingerzeig nach oben in ein diffuses dunstiges Orange nicht mehr hilft? In einem ornamental-geometrisch geordneten Denklabyrinth im geöffneten Schädel lesen wir, fein herausgemeißelt, C. P. = Christian Pursch.

Ein Bild ist ein Bild. Ich rufe René Magritte als Zeugen: „Ceci n’est pas une pipe“ (Das ist keine Pfeife). Dieses so betitelte Bild, informiert uns nicht über gemalte Pfeifen, sondern darüber, dass eine gemalte Pfeife keine Pfeife, sondern ein Bild ist. So verstehe ich die Malerei von Christian Pursch.

Die malerische Prägnanz, Perfektion und Brillanz (bis ins kleinste Detail), die makellosen Formbegrenzungen (Konturen), die feinen, sensiblen Farbübergänge und Oberflächenbehandlungen sind beeindruckend und auch beunruhigend, Elemente eines professionellen, kühl kalkulierten, austarierten Konzepts. – Die Figuren sind in der Regel fragmentiert und „scheinplastisch“ geformt. Durch „künstlerisch-chirurgische“ Maßnahmen am Objekt entsteht der Eindruck des Puppenhaft-Mechanischen und des Unpersönlichen und Exemplarischen. Sinnbilder ohne Narrativ.

Carsten Rennecke

ist ein brillanter Fotograf, der farbsensible und wohlkomponierte Bilder mit der Kamera erfindet, der Details von Dingen und Oberflächen mit ihren Reflexen und Strukturen in ungewohnten Zusammenhängen sichtbar macht, verwandelt oder auflöst und sie als Bildformen wieder auferstehen lässt.

In einem Werkkomplex arbeitet er mit den Elemente Bewegung, Unschärfe, Verdoppelung, Phasenverschiebung (Mugbridge). Flüchtige Momente – flüchtige Wahrnehmung.
Eindrucksvolle Arbeiten: „Die Zwei“ und „Fußballspieler“ (Kurztitel).
Bei kontemplativer Betrachtung und hinreichender Lichtdistanz zieht sich die Unschärfe nahezu wieder zur figürlichen Einheit zusammen.

Carsten Rennecke ist auch Grafiker. Mit Pinsel und Farbe entwirft er, weit ab vom Abbildhaften, stark konstruierte, meist comichaft vereinfachte geometrisch geformte Gestalten und Dinge. Basquiat und Keith Haring kommen als entfernte Verwandte in Frage.

Sehen wir nun den bärtigen – nach Rennecke – Methode stilisierten Künstler an, der an seiner Staffelei am Bild einer mittig auf einem Sofa platzierten vollbusigen Schönheit in einem türkisfarbenen Kleid malt. Durch das Atelierfenster erblicken wir Wiese und Blüten. „Der Künstler“ selbst ist die Kunst. Das Künstlerische, das Artifizielle erschafft auf der Leinwand die Normalität. Eine spannende Konstellation.

Steffen Czech

Nichts real, alles möglich“, ein Bildtitel, der eine Denkrichtung vorgibt. Kann man auch sagen: „Alles real, nichts möglich“?

nichts real, alles möglich, 160x130, 2023Umstrahlt von einer flammenden Aureole, auf eine Weltkarte deutend, links und rechts von lächelnden Nixen (neue Mutationen), spricht in der Mitte der „Abendmahl-Teufel“ nicht Jesus Christus, sondern eine offensichtlich engagierte, vielleicht „erleuchtete“ junge Dame (Christa?) zu einer 12 köpfigen Männergruppe, in der man (in egalisierender Toga-Bekleidung) Staatslenker, Mitglieder der UNO-Vollversammlung, Barack Obama … zu erkennen glaubt.

Weiter unten treibt ein Boot mit 12 Personen den tiefem Wellental auf ein kunstvoll sich überschlagende Hokusai-Welle zu. Am Horizont grüßt der Fuji-yama.

Der Raumprospekt, aufgespannt wie eine Ikonostase mit Ausblicken und Einblicken: gestern – heute – aktuell – ewig – physisch – metaphysisch – Bibel und Tagesschau – vom World-Trade-Center über die Hagia Sophia bis zu zusammengeschusterten Fertigbauten. – Alltag und Märchen – alle Tore stehen auf. „…ein Gott von fern an, mild und stumm…“ (Christian Morgenstern)

Keiner will die Beute sein, 160x120, 2022Ein anderes Bild: „Keiner will die Beute sein“. Eine Art „Max-Ernst-Kandinsky-Collage“, spitz-eckig ausgeschnitten (decoupiert), dringt in ein sommerliches Naturidyll ein. Das stellt sich quer. Wer Fragen hat, wende sich an das Spiegelei, das ausbalanciert über einem der zwei Äste – im Birkenhain – hängt.